Dienstag, 31. Juli 2007

Tena koutou!

Nach 8 Tagen in Auckland nun die neuesten Neuigkeiten :)
Die Uni: Der Campus erstreckt sich über mehrere Straßenzüge und ist durchaus groß genug, dass man sich wunderbar darauf verlaufen kann und die 10 Minuten zwischen den Vorlesungen vor allem in der ersten Woche mehr als nötig waren, um den nächsten Hörsaal zu finden ;-) Im Gegensatz zur Elite-TU, wo wir armen Elite-BWLer so ziehmlich den letzten Winkel belegen, wird den Business Students hier an der "Number 1 University of NZ" derzeit ein funkelnagelneues Gebäude gezimmert, das nur als Glas zu bestehen scheint, und in dessen Untergeschoss die ultimativ komfortablen, kinosesselbbestuhlten Hörsäle bereits in Benutzung sind - selbstverständlich funktioniert auch die obligatorische Klimaanlage schon, die Pulli + Jacke selbst bei frühlingshaften Temperaturen draußen unumgänglich macht... *brrr* Die Profs sind größtenteils wirklich einsame Spitze - unterhaltsam, kompetent, witzig, und haben leider auch ganz schön hohe Anforderungen: nächste + übernächste Woche ist ein Assignment fällig, in 3 Wochen dann die erste Klausur :p

Mensa gibt es keine, was in Anbetracht der eher dubiosen und für europäische Mägen eher ungewohnten Essensgewohnheiten, die in der Tat ein wenig englisch anmuten, vielleicht gar keine so große Katastrophe ist ;-) Die Fastfoodläden auf dem Campus sind auch eher nur fetttriefende Notfallnahrungsaufnahmestätten, aber der Starbucks 10 min von der Uni entfernt versorgt auch das müdeste Studentchen stets mit heißer Schoki u.ä. :)

Kommen wir also zum Wichtigen - Das Essen:
Selbst nach ausgiebigster Suche habe ich bislang noch kein vernünftiges Brot gefunden, aber immerhin gibt es so etwas ähnliches wie Mischbrot, wenngleich auch in Toastkonsistenz :p Faszinierend finde ich immer noch, dass jedes, aber wirklich jedes Lebensmittel so wahnsinnig gesund ist! Alles "low fat" oder gar "fat free", mit "no Trans-Fatty Acids!" aber dafür ganz viel "high in fibre!" und "high protein", damit man auch eine "healthy digestion", "shimmering hair" hat und das allertollste: mit Kellog's All Bran kann man "glow with vitality on the outside!" ;-) Wahnsinn, wirklich! Es gibt nichts, das nicht schön, schlank, klug und begehrenswert macht :) Ach, und ich dachte immer, noch besser kann ich niemals werden... *dashübsche,NasehochreckendeKöpfchenschüttelnd* Man lernt eben nie aus!

Die Stadt: Eine immer noch merkwürdige Mischung aus hässlich, voller Abgase und Lärm sowie unheimlich viel Grünzeug, Palmen, 2 Ozeanen, beeindruckenden Wolkenkratzerchen (vor allem nachts hübsch anzuschauen) und coolen Leuten! Die sind teilweise so cool, dass sie bei 11-15°C ohne Bedenken FlipFlops und Shorts tragen, ohne auch nur die Miene zu verziehen. Die FlipFlopträger sind bei den unangekündigten gewaltigen Regenschauern, durchaus mit einer Standard-nicht-Wasser-Spar-Dusche vergleichbar, natürlich gut dran. Wirklich der Härtetest schlechthin für meinen ultralight-Tchibo-Mini-Knirps, der sich bislang aber sehr tapfer schlägt ;-)
Des Weiteren wurde ich am Donnerstag von einigen Kommilitonen zum Herr-der-Ringe-Gucken ins "Uni Lodge" nebenan einladen, eine Art privates Wohnheim, das vermutlich utopische Mietpreise aufweist, dafür allerdings auch ein Minikino mit ca. 16 Plätzen zu bieten hat ;-) Freitag Alternativprogramm: Irish Pub in Parnell, und voller Begeisterung über das generelle Rauchverbot hab ich mich nicht mal über die Bierpreise von 7.80$ geärgert *g* Gestern stießen wir dann auch auf akzeptabel mundenden Gerstensaft für nur 5$, was den Kinoabend erfolgreich abrundete :)
Idyllischerweise höre ich bei offenem Fenster übrigens neben dem Vogelgezwitscher auch mindestens einmal täglich US-Serien-Clichee-typisches Sirenengeheul von der Küstenstraße, wo die Knipser anscheinend besonders gerne stehen (oder vielleicht gibt es hier tatsächlich so viele bewaffnete Raubüberfälle???)...
Noch etwas Wissenswertes: "Kiwi" ist die Bezeichnung für "neuseeländisch" oder auch die Neuseeländer an sich; das Obst ist nur gemeint, wenn man von "kiwifruit" spricht ;-)

So, genug der Worte...
Allerliebste Grüße von der Insel!
francesca



PS:
@Herde: keep your nose up!
@Janni: schee bleed isch au schee!

Sonntag, 22. Juli 2007

Ich bin daaaaaaaaaaaa! :)

Aloha alle miteinander!

Allerliebste Grüße vom Ende der Welt!
Ja, ich bin da. Wahnsinn!

Die Geschichte meiner Reise in Etappen:
Flug MUC-Dubai: der wohl engste Platz im ganzen Airbus A320, neben einem tiefschlafenden Araber, hinter einem auf beide Sitze ausgebreiteten Araber, der mit einer an Größenwahn erinnernden, mehr als anmaßenden Unverschämtheit diese beide Sitze so weit wie möglich nach hinten klappte, so dass mein Nachbar sich wohl oder über in die Breite breit machen musste und mir kaum noch genügend Platz bot...
Meine unwillige, Missfallen bekundende Bemerkung, ob er nicht ein bisschen weiter vorrücken wolle, quitierte der vordere lediglich mit einem seeligen Schnarchen, das die 6 Stunden bis Dubai nicht enden sollte.

Dubai Airport: Kennenlernen einer Landsmännin, die aus ihrem Tansaniaurlaub zurückkam und mir gleich "das beste Eis hier" zeigte - was meinem eh noch ein wenig mulmigen Bauch nicht allzu zuträglich war... Die 3 Stunden bis zum Weiterflug verbrachte ich also auf Deutsch, und nach 3 nicht enden wollenden Warteschlangen landete ich mehr oder weniger wohlbehalten im Checkin-Bereich und saß unserem nächsten Vehikel, einem Airbus A340-500 direkt gegenüber, Auge in Auge sozusagen.
Und als hätte das Fliegerchen meine inständigen Wünsche erhört, war es - Überraschung! - komfortabel, zwar voller quengelnder Kinder, aber wirklich eine meilensteinige Verbesserung zum vorherigen Transportmittel :-)
Beim Einsteigen rieselte kalte Luft aus der Klimaanlage, deren Temperatur von etwa -25°C man an den Eiskristallen darin wunderbar erkennen konnte! *brrrr*
Die 14 Stunden Flug wurden mir relativ kurzweilig gestaltet durch einen unaufhaltsam quasselnden, ursprünglich aus Holland stammenden und nun in Whitianga lebenden putzigen "älteren Herren", dessen Lebensaufgabe allein im Marmeladekochen zu bestehen scheint ;-) Ihr glaubt nicht, woraus man alles jam und gellies machen kann...
Aber er wirklich nett, und als ich dann demonstrativ meinen Kopf aufs Kissen bettete, hörte auch der Redeschwall schließlich auf...

Der Flugzeugfraß war deutlich besser als das vorherige "mystery meat of the day", und mein Vorsitzer verfolgte eine sehr angenehme Rücklehnpolitik, was die Ewigkeit bis Melbourne einigermaßen erträglich gestaltete.
In Melbourne wollte ich endlich den neuen HarryPotter erstehen, musste aber bedauerlicherweise feststellen, dass ich meiner Zeit um 5 Stunden voraus war. Ein ausgiebiges Zähneputzen und kurzes Pass-und-Boarding-Pass-kontrollieren-Lassen später ging's wieder an Bord, selber Flieger, frisch geputzt, neue Crew - und über die Tasmanische See nach NZ!

In Auckland durfte ich mehr als eine Stunde inmitten wild debattierender Asiaten, einer streitenden englischen Familie, betroffen dreinguckender amerikanischer Mädels und sich außerordentlich cool fühlender Jungs vor der Passkontrolle warten, wo mir dann schließlich der Beamte lauter dämliche Fragen stellte (auf mein STUDENT VISUM starrend: "so, do you have a student permit?" ... "what do you study?" etc.) und mich schließlich Richtung Koffer entließ. Diesen musste ich noch kurz auf eventuelle Unerlaubtheiten röntgen lassen und steuerte sogleich meinem deutschsprechenden Abhol-Studenten entgegen, der mich nach einer herzrasenverursachenden Fahrt auf der verkehrten Straßenseite am Railway Campus, meinem Wohnheim absetzte.

Von außen sehr beeindruckend (s. Foto) und auch innen in den Vorhallen, ehemaligen Warteräumen und self-cooking-area noch einigermaßen hübsch und ansprechend, versetzte mir dieses Gebäude den wohl größten Schock bislang: mein Zimmer war eine Katastrophe - absolut kahl, Tesareste an den Wänden, wacklige Tür, ein Bett, das selbst für Ikeamaßstäbe keine Qualität mehr darstellt, und ich ganz allein in diesem Land voller Regen! Krasse Sache.... :-(

Naja, dem pragmatischen Teil in mir folgend, konzentrierte ich mich wieder auf das nackte Überleben und steuerte Richtung Innenstadt, wo ich zu allererst eine Bettdecke und Bettzeug erstand, einen Adapter, ein LAN-Kabel, ESSEN und was man halt so braucht... Eine heiße Dusche (verdammt heiß, ich bin doch kein Hummer!!!) und ein bisschen Atemholen später, begab ich mich zum "Ladies' Heritage Waiting Room", der das Fernsehzimmervorzimmer darstellte, kritzelte ein bisschen in mein Moleskine-Büchlein (danke nochmal ;-)) und beschloss dann, mich auf die Suche nach irgendwelchen netten Leuten zu machen, damit ich nicht mehr ganz so allein wäre.
10m später wurde ich auch schon zum Risiko-Spielen eingeladen und beeindruckte erstmal die 5 Jungs (keine Angst, Schatz, alles keine Konkurrenz für Dich ;-)): den Engländer John, den Chinesen Harold, den (?) (?) [beides komplett unverständlich, ich tippe auf Chammman aus Tunesien oder so ;-)), den Argentinier Pablo und den Malayen Chai. Sehr witzig, muss ich sagen... Alle tippten auf "Law" als meinen Studiengang, "because you're from Germany, all Germans study law!"... :-P
Bevor ich schließlich totmüde ins Bette kippte, schaffte ich sogar noch, zugegebenermaßen mit tatkräftiger Unterstützung meiner Mitbwohnerin Nummer 1, Krissy aus den USA, den elektrischen Heizer anzubekommen, der allerdings nach 2 Stunden automatisch ausgeht, aber hübsch warm macht...

Heute also bin ich die gefühlten 100000000000 Stufen zum Campus hochgelaufen (das Wohnheim liegt 5 min vom Hafen weg) und über den riesigen, von mehreren chaotischen Straßen durchzogenen Campus gesteuert - Wahnsinn! Lauter Palmen (im Winter), kalter Wind + heiße Sonne, hübsche weiße Gebäude neben eher TU-typischen Zweckbauten, hunderte von Spatzen, Amseln und keine Ahnung was für weiteren Flugviechern (was bei uns übrigens Tauben sind, sind hier Möwen - schon ein bisschen sympathischer! ^^) und wirklich viele Möglichkeiten, sich zu verirren *hihi*

Das Resümee bislang: das Leitungswasser stinkt schlimmer als jedes Freibad nach Chlor, die Leute sind tatsächlich immer freundlich und hilfsbereit, das Brot ist eine Katastrophe, es gibt Persil und Bonne Mamman Marmelade und die gleiche gelbe Scheuermilch wie bei uns, auf den zweiten Blick gleicht mein Zimmer zwar immer noch einem Bunker, ist aber dank der vielen Photos und meinem "Geraffel" gar nicht mehr so schlimm, und da ich seit einer halben Stunde ins Internet kann, ist quasi alles topfit! ;-)

Nun solltet ihr euch alle angesprochen fühlen, mir zu antworten! *hihi*
Mag alles wissen, was es bei euch Neues gibt!

Viel Erfolg an alle, die noch Prüfungen haben :)
Und nochmal mille saluti di Auckland!
francesca la bellissima